So schlecht waren wir noch nie

Teddy fand den Kassettenrekorder auf dem Dachboden und drückte natürlich sofort auf die Rückspultaste. Klack.

Schon standen Esel und Teddy 1989 in der Prager Botschaft, mitten in einer aufgeregten Menge. Teddy hielt einen Zettel in der Hand; woher der gekommen war, wusste er nicht. Der Auftrag war eindeutig: Menge beruhigen, damit Genschers ganze Rede hörbar bleibt. Ausreise nicht genehmigt!

Dann trat ein Mann auf den Balkon. „Ist das Genscher?“, fragte Teddy.

Esel musterte ihn. „Nee. Genscher ist dicker.“

„Oder mit Bart.“

„Wo sind wir hier überhaupt? Und wann? Wer sind die Menschen hier alle?“

Der Mann begann zu sprechen. Unten wurde es still.

„Wir sind heute zu Ihnen gekommen …“

„Oh“, sagte Teddy. „Das kommt mir bekannt vor, das ist doch Kennedy.“

„Nein, ich glaube, das ist ein Konzert, das ist David Hasselhoff.“

„… um Ihnen mitzuteilen …“, setzte der Mann am Balkon fort.

Hinten verstand man nichts, vorne wurde schon gezappelt. Um die Menge zu beruhigen, rief Teddy im gleichen Moment, als der Mann das Wort „Ausreise“ sagte: „Seid mal ruhig, das ist David Hasselhoff!“

Und sofort brach Jubel los. Dass die Ausreise eben nicht genehmigt war, hat nie jemand erfahren.

Die, in der Esel einen Nasenabdruck von Teddy macht

Es wird nasal. Weil Toby sich im Rahmen unserer Aktion „Episodenpaten mit Spendenspaten“ für diese Folge gewünscht hat, dass Esel einen Nasenabdruck von Teddy macht, bekommt ihr in dieser Folge eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie man sowas macht. Ein kleiner DIY-Dokumentarfilm in Podcastform. Vom Abformen der Nase mit Silikon bis zur glitzerblauen Kunstnase.

Wenn ihr selbst noch Episodenpate oder Episodenpatin werden und dabei gleichzeitig die Baumspendenaktion unterstützen möchte, könnt ihr das hier tun:
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Toby
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How to pronounce Ortsname in the Landessprache

Wenn ich sterbe komm ich in die Hölle,
drum genieß ich es noch hier in Kölle.

Wohnt ich im Norden, dann wär ich ein Schäfer,
Und trünke dazu oft ein Jefer.

Doch eigentlich wär das nicht so mein Ding,
dann lebte ich lieber in Reading.

Vielleicht wär ich da dann ein Schuster,
äß mein Hähnchen immer mit Worcester.

Ist am Ende der Theo dann futsch,
fahr ich halt alleine nach Łódź.

Oder ich riskiere ’nen Hörschaden,
dann müsste ich nur nach Saoirse gehn.

Klarinetten-Karl und Trompeter-Pan

Wir müssen uns auf einen musikalischen Auftritt beim Podstock vorbereiten, daher steht diese Folge ganz im Zeichen der Fortbildung: Heute testen wir, wie viel Musikwissen Teddy zwischen Nasenflöte und Trompete hat.

Herr Müller spielt zehn kurze Audio-Schnipsel ab, Teddy muss zuordnen, mitnotieren, umsortieren und dabei möglichst nicht komplett an seinem Vertrauen in die eigene Kompetenz scheitern. Es wird geraten, zurückgespult, neu entschieden, und zwischendurch kurz überlegt, ob man nicht einfach eine Stunde lang nur labern sollte.

Zum Nachhören der Beispiele (ohne die zu erratenden Fachwörter) sind hier die Quellen aus der Folge:

Damit steht dem Podstock und unserem großen musikalischen Ruhm praktisch nichts mehr im Weg. Außer vielleicht der Realität.

Fundgrube der Negativität

Aus „The Metropolitan Chronicle“, 17. Oktober 1893

Der Äther-Salon der endlosen Stimmen

Mit Bewunderung und erheblicher Beklemmung vermerkt dieses Blatt eine frische Neuerung unseres ruhelosen Zeitalters. Dampf zähmte die Entfernung, der Telegraph die Zeit, das Telefon die Rede. Nun aber tritt ein Gerät hinzu, klein wie ein Etui, doch groß in seinen Folgen: Es bringt fremde Stimmen, konserviert und beliebig wieder abrufbar, direkt ins Ohr des Bürgers. Ohne Versammlung, ohne gesellschaftliche Hemmung.

Die Erfinder preisen Unterhaltung zum Mitnehmen. Wir sind weniger heiter gestimmt.

Denn bereits mehren sich Berichte, dass Menschen abhängig werden von diesem stetigen Strom gesprochener Worte. Man sieht Schreiber über das Pflaster wandern, mit leerem Blick, als stünden sie im vertraulichen Gespräch mit unsichtbaren Bekannten. Damen lachen im Park über Witze, die niemand sonst gehört hat. Lehrlinge meiden lebendige Kollegen und wählen lieber die ewige Stimme aus der Tasche.

Selbst im Orchestergraben macht sich die Veränderung bemerkbar. Trompeter-Pan, einst bekannt für seinen kräftigen Auftritt zur rechten Stunde, erscheint neuerdings mit Bügeln auf den Ohren zur Probe und verpasst den Einsatz, weil er einer fernen Debatte lauscht. Klarinetten-Karl wiederum, sonst Meister der feinen Zwischentöne, nickt entrückt, während um ihn herum gestimmt wird. Als gelte seine Aufmerksamkeit nicht mehr dem Atem der Mitspieler, sondern dem Atem unsichtbarer Erzähler.

Noch bedenklicher sind erste ärztliche Beobachtungen: Das Ohr, so fein gebaut, passt sich dem Bügelwerk der Hörkapseln an. Nach Wochen des Gebrauchs soll sich das Knorpelwerk dem Druck beugen, die Ohrmuschel der Form des Geräts entgegenkommen und bisweilen diese Form sogar behalten, als hätte die Natur dem Gummi und Metall die Oberhoheit eingeräumt.

Ist dies Fortschritt?

Man rühmt „Gemeinschaft“, weil der Hörer eine intime Nähe zu den unbekannten Sprechern empfinde. Doch was ist das für ein Verkehr, in dem einer unaufhörlich redet und der andere nur empfängt? Die alte Debatte verlangte Gegenrede und Mut; hier wird Meinung in den Bürger gegossen, ohne Widerspruch und Maß.

Wir leugnen den Nutzen nicht: Nachrichten, Lehre, Trost. Aber wir mahnen zur Mäßigung. Wo das Ohr nie leer ist, bleibt der Geist selten allein. Und wenn die Stille verschwindet, verschwindet bald auch die echte Betrachtung.

Die Wunder dieses Jahrhunderts sind zahlreich, aber nicht jedes ist harmlos.