Schön, dich wiederzusehen

Er kommt auf mich zu und hebt die Hand. Ich sehe das erst, dann sehe ich seine Frisur, beeindruckend fluffig irgendwie, energetisch, leichter Neid steigt in mir auf.  Ich schaue wieder auf die Hand und denke sofort: Fistbump. Keine Ahnung, warum. Vielleicht weil er so aussieht, als würde er fistbumpen. Was natürlich Quatsch ist. Menschen sehen nicht aus, als würden sie fistbumpen. Höchstens wie Menschen, bei denen man hofft, dass sie einem einfach normal die Hand geben.

Ich mache jedenfalls eine Faust. Er nicht. Er greift nach meiner Faust. Für ungefähr fünf Sekunden hält er sie einfach in seiner Hand. Ich denke: Das ist also unser Anfang.

Andere Leute lernen sich kennen und wissen später noch, dass es geregnet hat oder welcher Song lief oder was der andere anhatte. Wir werden irgendwann sagen: Weißt du noch, wie du beim ersten Mal meine Faust festgehalten hast?

Falls es ein Irgendwann gibt. Vielleicht bleiben wir länger zusammen. Vielleicht sehen wir uns noch zwei- bis dreimal. Und erst dann müssen wir uns Gedanken über den Abschied machen. Was aber einfacher ist, man riskiert weniger, das ist wie beim Abspann im Kino, den schauen sich ja die wenigsten an. Außer der Film war super. Dann bleibt man vielleicht und es ist wichtig. Dann gibt es vielleicht Outtakes.

Vielleicht werde ich in sechs Monaten nachts wachliegen und denken, dass ich damals schon hätte merken müssen, dass das mit uns nichts wird, weil ich einen Fistbump wollte und er irgendeinen komplizierten Handschlag.

Jetzt öffne ich die Hand. Zu spät. Er verändert seinen Griff, zieht meine Hand leicht zu sich, unsere Finger rutschen gegeneinander und dann macht er mit dem Daumen plötzlich dieses Schnipsen.

Klack. Ich schaue ihn an. „Was war das?“

„Ghanaischer Snap-Handshake.“, sagt er.

Natürlich.

Natürlich lerne ich jemanden kennen, der einen ghanaischen Snap-Handshake macht.

„Und du?“, fragt er.

„Was ich?“

„Was wolltest du machen?“

Ich schaue auf meine Hand. Ich mag, dass er offen fragt, das nimmt die Ernsthaftigkeit raus.

„Fistbump.“

Er lacht.

Ich auch.

Und wir beide stehen so da und tun so, als wäre das jetzt einfach lustig. So wie das Leben lustig ist, nicht haha-lustig, eher merkwürdig lustig. Möglicherweise ist das eine sehr präzise Zusammenfassung von allem, was zwischen uns noch passieren wird, denke ich: Vielleicht ist das ja Beziehung.

Einer macht eine Faust. Der andere erwartet eine offene Hand.

Und dann versuchen wir irgendwie, daraus noch eine Begrüßung zu machen.

Bei uns zu Hause (Folge 9): Abgeholt

Ein Mietboot, das wochenlang ungenutzt am äußersten Steg am Hafen von Peep’n’Brook lag, wird endlich von seinem Besitzer abgeholt, der sich mit einer längeren Geschäftsreise entschuldigt. Esel hilft aus Reflex beim Verladen der Ausrüstung. Als das Boot ablegt, muss Teddy die eine oder andere Träne verdrücken, weil ihn der leere Platz unfassbar rührt.

Titelmusik von Iaroslav Mzhelskii auf Pixabay. Hintergrundmusik von we-o_rd35mz9xtevppwrj6 auf Pixabay. Erzählerstimme erstellt mit ElevenLabs.

Bei uns zu Hause (Folge 8): Dienstag

Jeden Dienstagabend veranstaltet das große Hotel eine Quizrunde, bei der Esel dank seines Gedächtnisses für Ortsnamen und Jahreszahlen verlässlich gewinnt. Heute tritt erstmals ein Gast an, der ihn ausgerechnet mit einer Frage zur Geschichte des Orts selbst schlägt. Teddy schafft es, seinen Freund zu rächen, indem er aus Versehen eine Tüte Popcorn umstößt – der Hauptpreis beim Quiz.

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Bei uns zu Hause (Folge 7): Postfiliale

Im kleinen Postshop des Ortes gibt jemand eine gefundene Surfbrett-Finne ab, die morgens am Strand angespült wurde. Die Angestellte legt sie zu den anderen Fundsachen und vermutet, sie gehöre einem der Aussteiger, die jeden Sommer neu nach Peep’n’Brook kommen und wieder verschwinden. Esel nimmt sich vor, später noch mal nachzufragen, wird aber von etwas anderem abgelenkt. Teddy ist erleichtert.

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Bei uns zu Hause (Folge 6): Geheimnisse

Unter den Ladenbesitzern am Kai von Peep’n’Brook gibt es die Angewohnheit, sich am Ende eines langen Tages ein kleines, belangloses Geheimnis zu verraten – wer heimlich welche Musik mag oder welchen Stammgast am liebsten hat. Esel hört mit, dass der Besitzer des Tattoo-Shop jeden Sonnenuntergang fotografiert. Teddy findet, dass das gar nicht wie ein Geheimnis klingt, sondern einfach nur wie eine nette Angewohnheit.

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